Zweite Sitzung: Erfahrungen in den Corona-Semestern

In der zweiten Sitzung zum Seminar „Praxis und Theorie digitaler Bildung“ haben wir – aus aktuellem Anlass – den Blick auf die Entwicklungen und Maßnahmen der Hochschulen zur Bekämpfung von COVID-19 geworfen. Diese wurden in Kleingruppen diskutiert und eingeschätzt. Im Zentrum standen dann Präsentationen zur Sicht der Studierende auf die Pandemielage in Abgleich mit veröffentlichten Berichten aus den Medien und der Bildungswissenschaft.

Auftakt Seminar „Praxis und Theorie digitaler Bildung“ im Wintersemester 2021/22

Nach einem Jahr führe ich wieder das Seminar zur Praxis und Theorie digitaler Bildung vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie durch.

Im ersten von drei Blöcken ging es heute um die persönlichen Erfahrungen mit den Corona-Semestern und der Reflexion in Gruppenräumen. Das habe ich versucht wie folgt zusammenzufassen.

Die eigenen Erfahrungen werden im nächsten Schritt abgeglichen mit zwei Beiträgen zur Corona-Debatte:

[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Was in der Pandemie an den Unis läuft“, Juli 19, 2021. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/was-in-der-pandemie-an-den-unis-laeuft-17440654.html
[2] G. Reinmann, „Präsenz-, Online- oder Hybrid-Lehre? Auf dem Weg zum post-pandemischen Teaching as Design“, Impact Free: Journal für freie Bildungswissenschaftler, Bd. 37, S. 1–11, 2021. (PDF)

Dokumentation zum Seminar „Open Education“

Vor zwei Wochen habe ich mein Seminar im Masterstudiengang Erwachsenenbildung an der Universität Magdeburg durchgeführt. Hier eine kurze Dokumentation.

Begriffsbestimmung

Lektürerunde I. Die Entgrenzung des Lernens

Lektürerunde II: Whitepaper OER in der Weiterbildung

Zukunftswerkstatt: Kritik-Phase

Zukunftswerkstatt: Utopie-Phase

Seminar zu Open Education

Im Rahmen des berufsbegleitenden Master-Studiengangs Erwachsenenbildung an der Universität Magdeburg bietet ich ein Seminar zu Open Education an. Der Master ist anwendungsorientiert und bezieht sich auf ein breites Spektrum der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Zur Bearbeitung im Seminar und für die Nachbereitung stelle ich hier eine Reihe von Materialien zusammen.

Präsentation

Literatur

Blees, I. et al. (eds) (2015) Whitepaper Open Educational Resources (OER) in Weiterbildung / Erwachsenenbildung: Bestandsaufnahme und Potenziale 2015. 1. Aufl. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. [PDF]

Deimann, M. (2012) ‘Offene Bildung und offenes Lernen ­– mehr als nur eine Alternative für E-Learning’, in Hohenstein, A. and Wilbers, K. (eds) Handbuch E-Learning, Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. Köln: Wolters & Kluwers. [PDF]

Mayrberger, K. and Hofhues, S. (2013) ‘Akademische Lehre braucht mehr „Open Educational Practices “für den Umgang mit „Open Educational Resources “–ein Plädoyer’, Zeitschrift für Hochschulentwicklung ZFHE Jg, 8(4). [PDF]


Weiterführende Literatur

Ebner, M. et al. (2015) Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien (OER): Die Situation von freien Bildungsmaterialien (OER) in Deutschland in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung. Norderstedt: Books on Demand (Beiträge zu offenen Bildungsressourcen (O3R), Band 10). [PDF]

Orr, D., Neumann, J. and Muuß-Merholz, J. (2017) German OER Practices and Policy — from Bottom-up to Top-down Initiatives. Moscow: UNESCO Institute for Information Technologies in Education. [PDF]

Otto, D. (2020) ‘Grosse Erwartungen: Die Rolle von Einstellungen bei der Nutzung und Verbreitung von Open Educational Resources’, MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, pp. 21–43. doi:10.21240/mpaed/00/2020.02.26.X. [PDF]

Blogbeiträge

OER Suchen und Finden

Offene Bildungsressourcen (OER) in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung

Podcast in der Lehre

Für den Workshop Podcast in der Lehre – ein Kursangebot für das eTEAcH-Netzwerk Thüringen – stelle ich hier einige Materialien zur Nachbereitung zur Verfügung.

Präsentation

Link

Thematische Inputs

Praxisbeispiele

Wissenschaftliche Beiträge

  • Hebbel-Seeger, A. (2021). Technologien und Techniken in der (Online-)Lehre: Video, PodCast und Partizipation. In U. Dittler & C. Kreidl (Hrsg.), Wie Corona die Hochschullehre verändert (S. 259–280). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-32609-8_17
  • Klee, A. (2008). Podcasts als Kommunikationsinstrument. In B. H. Hass, G. Walsh, & T. Kilian (Hrsg.), Web 2.0 (S. 153–170). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-540-73701-8_10
  • Schweer, H. (2011). Einsatz von Podcasts zur Vermittlung von Hintergrundwissen in Hochschulseminaren. ZHW – Almanach. Eine Online-Zeitschrift des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung.

Rückblick auf das Seminar im Sommersemester 2021

Im Juni habe ich das hier angekündigte Seminar an der FernUniversität in Hagen für den Studiengang Bildung und Medien: eEducation durchgeführt.

Dabei ging es darum, ausgehend von der COVID-19-Pandemie und den vielfältigen Auswirkungen auf die digitale Hochschullehre den Blick zurück zu werfen und sich die Frage zu stellen, wie sind wir dahin gekommen? Welche Geschichte(n) des E-Learning an den Hochschulen gab es? Dieses Verständnis war und ist wichtig, um sich mit Fragen der Zukunft zu beschäftigen: Wie kann und soll es weitergehen mit den Hochschulen im digitalen Zeitalter?

Nachfolgend einige Materialien zum Seminar.

Präsentation

Literatur

Bauer, R., Hafer, J., Hofhues, S., Schiefner-Rohs, M., Thillosen, A. M., Volk, B., & Wannemacher, K. (Hrsg.). (2020). Vom E-Learning zur Digitalisierung: Mythen, Realitäten, Perspektiven. Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830991090

Deimann, M. (2021a). Die Rolle intermediärer Hochschuleinrichtungen bei der Bewältigung der Corona-Krise. Eine Studie der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. Hochschulforum Digitalisierung.

Deimann, M. (2021b). Digitalisierung von Hochschule und Hochschulbildung—Muster, Grammatik und Mythen. In T. Schmohl (Hrsg.), Situiertes Lernen im Studium. Didaktische Konzepte und Fallbeispiele einer erfahrungsbasierten Hochschullehre (S. 57–65). wbv Media.

Deimann, M., & Clausen, D. (2020). Digitales Bildungs-Pingpong: Ein Schreibgespräch. In R. Bauer, J. Hafer, S. Hofhues, M. Schiefner-Rohs, A. Thillosen, B. Volk, & K. Wannemacher (Hrsg.), Vom E-Learning zur Digitalisierung Mythen, Realitäten, Perspektiven. (S. 101–115). Waxmann.

Macgilchrist, F. (2019). Digitale Bildungsmedien im DiskursAus Politik und Zeitgeschichte69(27–28), 18–23.

Seminar an der FernUniversität in Hagen

Im Sommersemester 2021 biete ich an der FernUniversität in Hagen das Seminar Kurz- und langfristige Auswirkungen der COVID-19-Pandemie für die Digitalisierung der Hochschulbildung aus medienpädagogischer Perspektive an.

An eineinhalb Tagen beschäftigen wir uns ausgehend von der Corona-Pandemie mit Fragen zur Geschichte und Zukunft digitaler Hochschulbildung. Konkret geht es um drei Teile: Bestandsaufnahme, Rück- und Ausblick.

Bestandsaufnahme

Wir sind nun im dritten „Corona-Semester“ und auf vielfältige Weise wurden Erfahrungen zu den Auswirkungen der Online-Lehre gemacht. Die FernUniversität ist in diesem Zusammenhang eine besondere Hochschule, da medienvermittelte Lehre, die über die traditionellen Medien hinausgeht, ein konstitutives Merkmal ist. Interessant ist hier die Frage, inwieweit auch an der FernUniversität ein „Digitalisierungsschub“ wie an den Präsenzhochschulen in Deutschland seit März 2020 spürbar ist.

Die beiden Perspektiven – Fern- und Präsenzhochschulen versuchen wir vergleichend zu betrachten. Auch werden die individuellen Reflexionen mit den Befunden aus empirischen Studien (hierfür nutzen wir dieses Padlet) in Beziehung gesetzt.

Eine weitere Ressource sind die Einblick einer kollaborativen Autoethnographie, die hier als frei zugängliches Buch veröffentlicht ist sowie diese Linkliste mit Quellen zur Situation von Hochschulen in der Pandemie.

Rückblick

Um die im Sommersemester 2020 vollzogene „Zwangsdigitalisierung“ an den Hochschulen einordnen und einschätzen zu können, ist ein Blick zurück in die Geschichte des E-Learning notwendig. Seit den späten 1990er Jahren wurde viel Geld in Technologien und Konzepte für digital-angereicherte Lehre investiert, allerdings ohne dass E-Learning wirklich strukturell verankert worden ist. Wie der damalige Diskurs verlief wollen wir im Seminar rekonstruieren und greifen auf Material zurück, wie z.B.:

Neben den technologischen und organisatorischen Entwicklungen soll es auch um politische Fragen gehen. So gab und gibt es zu jeder Medienepoche (Radio, TV, Video, Internet, …) große Erwartungen, wonach Medium / Technologie X die (Hochschul-)Bildung besser, d.h. effizienter, gerechtet, inklusiver, mache. Tatsächlich ist die Bilanz gemessen an den Versprechen ernüchternd.

Wir schauen darum etwas genauer auf die Versprechen der digitalen Bildung und leiten daraus eine analytische Perspektive ab.

Ausblick

Im letzen Drittel des Seminars geht es vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen, des Einblicks in empirische Studien und der Bewertung von Versprechen um den Blick in die Zukunft: Wie kann uns soll die Hochschullehre aussehen. Dazu orientieren wir uns an der Methode Zukunftswerkstatt (siehe dazu diesen Beitrag).

Nachlese

Zum Abschluss des Seminars bestand die Möglichkeit, in einer Hausarbeit auf bestimmte Aspekte der Themen zurückzublicken und eine persönliche Reflexion zu ziehen. COVD-19 war und ist eine so außergewöhnliche Situation, der man sich im Studium nicht entziehen konnte.

Ich stelle hier einige Auszüge in anonymer Form dar.

„Das, was Hochschulen im „Corona-Semester“ geleistet haben, war reine Wissensvermittlung. Es ging darum, Studierende so mit Informationen zu versorgen, dass sie die folgenden Prüfungen bestehen konnten. Dieser Wissenserwerb um sich selbst willen, ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Bieri unter Bildung versteht. Durch die erschwerten Bedingungen für Austausch und Diskussionen blieb den Dozierenden kaum etwas anderes übrig, als die reine, weitestgehend wenig kontrovers diskutierte Wissensvermittlung im wahrsten Sinne irgendwie zu ermöglichen. Was die Hochschulen versäumt haben, ist die Studierenden bildungsbezogen durch die Pandemie zu begleiten. Die Pandemie hat auch für die Organisierenden und Dozierenden alles verändert. In allen wissenschaftlichen Bereichen, die an Hochschulen unterrichtet werden, hat die Pandemie Einfluss. Diesen Einfluss zu reflektieren und kontrovers zu bearbeiten, wäre eine Chance gewesen, Studierende abseits der reinen Wissensvermittlung zu Prüfungszwecken im Sinne Bieri zu bilden. Bildung kann Orientierung und Sicherheit geben, wie Bieri betont. Bildung kann dazu beitragen, sich in der Welt zu orientieren, auch in einer Welt, die sich massiv verändert. Damit ist nicht gemeint, dass Dozierende die Studierenden psychologisch in einer schwierigen Zeit betreuen können sollen, sondern das die Einflüsse und vor allem die Unsicherheiten einer Pandemie innerhalb des jeweiligen wissenschaftlichen Fachgebietes thematisiert und diskutiert werden können. Dieses Bildungsverständnis hat (noch) keinen Weg in die Hochschullehre gefunden.“

Quelle: Peter Bieri (2005), Wie wäre es gebildet zu sein?

Abschluss

Gestern fand die letzte Sitzung im Seminar statt. Dafür habe ich versucht, nochmal den roten Faden – so wie ich mir die Ausrichtung gedacht habe – herauszustellen.

Wir starteten mit der Reflexion des Sommersemesters und den Erfahrungen mit COVID-19. Komplementär haben wir einen Blick auf die aktuelle Studienlage („Was sagt die Forschung?“) und eine Analyse und Bewertung vorgenommen.

Im zweiten Block haben wir uns mit der Theorie beschäftigt, um daraus Denk-Werkzeuge abzuleiten für die Einschätzung von Lernplattformen. Zum Beispiel zur Beantwortung der Frage, wie das Bildungsverständnis der Plattformen ist. Schließlich ging es im dritten Block um den Blick in die Zukunft und um mit Hilfe der Methode der Zukunftswerkstatt an Ideen zu arbeiten.

Einschoben habe ich einen kurzen Input zu einem aktuellen Bericht der OECD „Lessons for Education from COVID-19“. Dort wird gefordert, dass die Bildungssysteme nach der Phase der akuten Krisenbewältigung zur Phase der Behebung und Milderung von Lerndefiziten (die durch COVID-19 aufgetreten sind) wechseln sollten. Wir haben dazu nochmals auf die bereits gesammelten Kritikpunkte geschaut und versucht dazu Ideen zu entwickeln.

Im Zentrum stand dann die Präsentation der Entwürfe zur Zukunftswerkstatt.

Abschließend habe ich eine Evaluation durchgeführt und nach den Eindrücken der Studierenden zum Seminar gefragt.

Zukunftswerkstatt

Im dritten Block des Seminars geht es um die Zukunft der (digitalen) Hochschullehre und wir arbeiten weiter mit der Methode der Zukunftswerkstatt. Nach der Sammlung von Kritikpunkten (siehe letzter Beitrag), ergibt sich folgendes Bild mit zentralen Problembereichen und Herausforderungen:

Organisation des Studiums

  • Zu viele und zu lange Lehrveranstaltungen
  • Zu wenig Abwechslung in den Seminaren
  • Zu hohe Anforderungen
  • Zu viele Präsentationen der Studierenden, zu wenig Input der Lehrenden
  • Literaturbeschaffung sehr schwierig

Technik / Infrastruktur

  • Instabile Internetverbindung
  • Schlechte Qualität von Ton und Bild
  • Verpflichtende Nutzung von Software (ZOOM) und Hardware (“Kamera an”)

Soziale Aspekte

Selbstorganisation des Lernens

Diese Kritikpunkte sind die Ausgangslage für die Entwicklung von Utopien für ein bessere Bedingungen für das Studium. In Gruppen arbeiten die Studierenden an Vorschlägen und stellen das im Plenum vor. Als Anregungen oder Inspiration zum Ausschmücken der Phantasien dient folgendes Szenario:

Wir befinden uns im Jahr 2025. Sie treffen Schulfreund:in, mit denen Sie während der Schulzeit über ihre Studienpläne öfter gesprochen haben. Die Freund:innen äußerten damals Bedenken, dass die Hochschulen veraltet wären und dass darum das Studium keinen Spaß machen würde.
Sie haben ganz andere Erlebnisse gemacht. Welche Punkte wären für Sie am wichtigsten, die zeigen, dass sich das Studium tatsächlich gelohnt hat für Sie?
Führen Sie dieses Gespräch in der Gruppe durch.
Bitte eine Person pro Gruppe auswählen, die aus Sicht der Studierenden berichtet. Die anderen fragen kritisch nach.