Seminar an der FernUniversität in Hagen

Im Sommersemester 2021 biete ich an der FernUniversität in Hagen das Seminar Kurz- und langfristige Auswirkungen der COVID-19-Pandemie für die Digitalisierung der Hochschulbildung aus medienpädagogischer Perspektive an.

An eineinhalb Tagen beschäftigen wir uns ausgehend von der Corona-Pandemie mit Fragen zur Geschichte und Zukunft digitaler Hochschulbildung. Konkret geht es um drei Teile: Bestandsaufnahme, Rück- und Ausblick.

Bestandsaufnahme

Wir sind nun im dritten “Corona-Semester” und auf vielfältige Weise wurden Erfahrungen zu den Auswirkungen der Online-Lehre gemacht. Die FernUniversität ist in diesem Zusammenhang eine besondere Hochschule, da medienvermittelte Lehre, die über die traditionellen Medien hinausgeht, ein konstitutives Merkmal ist. Interessant ist hier die Frage, inwieweit auch an der FernUniversität ein “Digitalisierungsschub” wie an den Präsenzhochschulen in Deutschland seit März 2020 spürbar ist.

Die beiden Perspektiven – Fern- und Präsenzhochschulen versuchen wir vergleichend zu betrachten. Auch werden die individuellen Reflexionen mit den Befunden aus empirischen Studien (hierfür nutzen wir dieses Padlet) in Beziehung gesetzt.

Eine weitere Ressource sind die Einblick einer kollaborativen Autoethnographie, die hier als frei zugängliches Buch veröffentlicht ist sowie diese Linkliste mit Quellen zur Situation von Hochschulen in der Pandemie.

Rückblick

Um die im Sommersemester 2020 vollzogene “Zwangsdigitalisierung” an den Hochschulen einordnen und einschätzen zu können, ist ein Blick zurück in die Geschichte des E-Learning notwendig. Seit den späten 1990er Jahren wurde viel Geld in Technologien und Konzepte für digital-angereicherte Lehre investiert, allerdings ohne dass E-Learning wirklich strukturell verankert worden ist. Wie der damalige Diskurs verlief wollen wir im Seminar rekonstruieren und greifen auf Material zurück, wie z.B.:

Neben den technologischen und organisatorischen Entwicklungen soll es auch um politische Fragen gehen. So gab und gibt es zu jeder Medienepoche (Radio, TV, Video, Internet, …) große Erwartungen, wonach Medium / Technologie X die (Hochschul-)Bildung besser, d.h. effizienter, gerechtet, inklusiver, mache. Tatsächlich ist die Bilanz gemessen an den Versprechen ernüchternd.

Wir schauen darum etwas genauer auf die Versprechen der digitalen Bildung und leiten daraus eine analytische Perspektive ab.

Ausblick

Im letzen Drittel des Seminars geht es vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen, des Einblicks in empirische Studien und der Bewertung von Versprechen um den Blick in die Zukunft: Wie kann uns soll die Hochschullehre aussehen. Dazu orientieren wir uns an der Methode Zukunftswerkstatt (siehe dazu diesen Beitrag).

Nachlese

Zum Abschluss des Seminars bestand die Möglichkeit, in einer Hausarbeit auf bestimmte Aspekte der Themen zurückzublicken und eine persönliche Reflexion zu ziehen. COVD-19 war und ist eine so außergewöhnliche Situation, der man sich im Studium nicht entziehen konnte.

Ich stelle hier einige Auszüge in anonymer Form dar.

“Das, was Hochschulen im „Corona-Semester“ geleistet haben, war reine Wissensvermittlung. Es ging darum, Studierende so mit Informationen zu versorgen, dass sie die folgenden Prüfungen bestehen konnten. Dieser Wissenserwerb um sich selbst willen, ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Bieri unter Bildung versteht. Durch die erschwerten Bedingungen für Austausch und Diskussionen blieb den Dozierenden kaum etwas anderes übrig, als die reine, weitestgehend wenig kontrovers diskutierte Wissensvermittlung im wahrsten Sinne irgendwie zu ermöglichen. Was die Hochschulen versäumt haben, ist die Studierenden bildungsbezogen durch die Pandemie zu begleiten. Die Pandemie hat auch für die Organisierenden und Dozierenden alles verändert. In allen wissenschaftlichen Bereichen, die an Hochschulen unterrichtet werden, hat die Pandemie Einfluss. Diesen Einfluss zu reflektieren und kontrovers zu bearbeiten, wäre eine Chance gewesen, Studierende abseits der reinen Wissensvermittlung zu Prüfungszwecken im Sinne Bieri zu bilden. Bildung kann Orientierung und Sicherheit geben, wie Bieri betont. Bildung kann dazu beitragen, sich in der Welt zu orientieren, auch in einer Welt, die sich massiv verändert. Damit ist nicht gemeint, dass Dozierende die Studierenden psychologisch in einer schwierigen Zeit betreuen können sollen, sondern das die Einflüsse und vor allem die Unsicherheiten einer Pandemie innerhalb des jeweiligen wissenschaftlichen Fachgebietes thematisiert und diskutiert werden können. Dieses Bildungsverständnis hat (noch) keinen Weg in die Hochschullehre gefunden.”

Quelle: Peter Bieri (2005), Wie wäre es gebildet zu sein?

Abschluss

Gestern fand die letzte Sitzung im Seminar statt. Dafür habe ich versucht, nochmal den roten Faden – so wie ich mir die Ausrichtung gedacht habe – herauszustellen.

Wir starteten mit der Reflexion des Sommersemesters und den Erfahrungen mit COVID-19. Komplementär haben wir einen Blick auf die aktuelle Studienlage (“Was sagt die Forschung?”) und eine Analyse und Bewertung vorgenommen.

Im zweiten Block haben wir uns mit der Theorie beschäftigt, um daraus Denk-Werkzeuge abzuleiten für die Einschätzung von Lernplattformen. Zum Beispiel zur Beantwortung der Frage, wie das Bildungsverständnis der Plattformen ist. Schließlich ging es im dritten Block um den Blick in die Zukunft und um mit Hilfe der Methode der Zukunftswerkstatt an Ideen zu arbeiten.

Einschoben habe ich einen kurzen Input zu einem aktuellen Bericht der OECD “Lessons for Education from COVID-19”. Dort wird gefordert, dass die Bildungssysteme nach der Phase der akuten Krisenbewältigung zur Phase der Behebung und Milderung von Lerndefiziten (die durch COVID-19 aufgetreten sind) wechseln sollten. Wir haben dazu nochmals auf die bereits gesammelten Kritikpunkte geschaut und versucht dazu Ideen zu entwickeln.

Im Zentrum stand dann die Präsentation der Entwürfe zur Zukunftswerkstatt.

Abschließend habe ich eine Evaluation durchgeführt und nach den Eindrücken der Studierenden zum Seminar gefragt.

Zukunftswerkstatt

Im dritten Block des Seminars geht es um die Zukunft der (digitalen) Hochschullehre und wir arbeiten weiter mit der Methode der Zukunftswerkstatt. Nach der Sammlung von Kritikpunkten (siehe letzter Beitrag), ergibt sich folgendes Bild mit zentralen Problembereichen und Herausforderungen:

Organisation des Studiums

  • Zu viele und zu lange Lehrveranstaltungen
  • Zu wenig Abwechslung in den Seminaren
  • Zu hohe Anforderungen
  • Zu viele Präsentationen der Studierenden, zu wenig Input der Lehrenden
  • Literaturbeschaffung sehr schwierig

Technik / Infrastruktur

  • Instabile Internetverbindung
  • Schlechte Qualität von Ton und Bild
  • Verpflichtende Nutzung von Software (ZOOM) und Hardware (“Kamera an”)

Soziale Aspekte

Selbstorganisation des Lernens

Diese Kritikpunkte sind die Ausgangslage für die Entwicklung von Utopien für ein bessere Bedingungen für das Studium. In Gruppen arbeiten die Studierenden an Vorschlägen und stellen das im Plenum vor. Als Anregungen oder Inspiration zum Ausschmücken der Phantasien dient folgendes Szenario:

Wir befinden uns im Jahr 2025. Sie treffen Schulfreund:in, mit denen Sie während der Schulzeit über ihre Studienpläne öfter gesprochen haben. Die Freund:innen äußerten damals Bedenken, dass die Hochschulen veraltet wären und dass darum das Studium keinen Spaß machen würde.
Sie haben ganz andere Erlebnisse gemacht. Welche Punkte wären für Sie am wichtigsten, die zeigen, dass sich das Studium tatsächlich gelohnt hat für Sie?
Führen Sie dieses Gespräch in der Gruppe durch.
Bitte eine Person pro Gruppe auswählen, die aus Sicht der Studierenden berichtet. Die anderen fragen kritisch nach.

Block 3: Zukunft digitaler Bildung

Im dritten Block werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wie kann und sollte Hochschulbildung zukünftig aussehen?

Das ist ein beliebtes Thema für die Medien oder eine eigene literarische Gattung. Doch die sollte keine Rolle im Seminar spielen. Stattdessen ging es zunächst um die Vorstellungen, Gedanken und Assoziationen der Studierenden. Dafür haben wir ein Padlet eingesetzt.

Made with Padlet

Warum es wichtig ist, gerade jetzt über die Zukunft der digitalen Hochschullehre nachzudenken, haben wir anschließend besprochen.

Dabei ist COVID-19 das allumfassende Framing für die Diskussionen, die oft um die Anschaffung von Technologien oder die Entwicklung digitaler Kompetenzen für Lehrende kreisen. Durch den hohen Handlungsdruck – es muss schnell etwas passieren – wird der Blick auf die längerfristigen Konsequenzen der jetzt schnell zu treffenden Entscheidungen verstellt.

Am Beispiel des TAZ-Artikels “Und es hat Zoom gemacht” haben wir die Implikationen diskutiert:

  • Datenschutz / Datensicherheit
  • Zwang zur Teilnahme ohne Alternativen
  • Abhängigkeit von kommerziellen Anbietern

In einer Gruppenarbeit wurde diskutiert, inwieweit es unter den Studierenden ähnliche Erfahrungen wie im Artikel beschrieben gibt.

Gruppe 1:

  • verpflichtende Nutzung von Zoom problematisch aber verständlich
  • Einheitliche Lösung für Verteilung der Links nötig
  • Technik versagt, was dann?
  • Meinungsbildung, Diskussion, Emotionen vs. Datenschutz!!
  • Warum werden welche Entscheidungen getroffen? Offenlegung

Gruppe 2:

  • Als StudentIn muss man sich den Vorgaben der Dozierenden fügen
  • Alternativen waren: webex und jitsi
  • Manche Dozierende haben eine Hemmung Online Meetings zu veranstalten
  • Die Universität informierte über den Datenschutz in einer Mail. Man musste sich den Anforderungen der AGB´s fügen.
  • Unsicherheit: wer nutzt die Daten? Kann dies negative Folgen für mich in der Zukunft haben?
  • Andere Anbieter sammeln ebenfalls Daten. Macht es das weniger schlimm?

Gruppe 3:

  • Wir können das Problem der “Datensensibilität” nachvollziehen- Mögl. Alternativen: Aufnahme von Zoom-Sitzungen oder Selbststudium mit Hausaufgaben und Abgaben zur Kontrolle.
  • ist zwar vglw. viel Arbeitsaufwand für Dozierende
  • sind viel nicht bereit einzugehen
  • verpflichtende Kamera kann unter Druck setzen, obwohl man sein Gesicht evtl. nicht zeigen möchte -> Nettiquette?!- Wo ist die Debatte über Datenschutz? War früher viel bedeutender, jetzt hinterfragt niemand mehr..

Gruppe 4:

  • irgendwo verständlich
  • in heutiger Zeit etwas übertrieben, weil man sowieso überall “Daten” hat (hat er zB keinerlei Accounts
    irgendwo?)
  • im Seminar werden keine Geheimnisse geteilt
  • vielleicht wäre es gut, niemanden zu zwingen, die Kameras anzuschalten (gesetzlich)
  • für 30 Cent sind Schutzvorrichtungen für Kameras erhältlich (zum Abdecken)

Gruppe 5:

  • Seit Beginn der der Online-Semester, wurde bei uns kaum eine andere Alternative als Zoom angeboten, außer vereinzelt Adobe Connect & Google Teams & webex
    -> ABER wir sind uns unsicher, ob dies wirklich sicherere Plattformen sind?
  • wir haben in einzelnen Zoom-Sitzungen nur erlebt, dass manche Personen ihre Kamera nicht anschalten wollten
    -> ABER ist das wirklich ein fairer Kompromiss?!
  • uns ist bewusst, dass viele andere Plattformen, die wir nutzen (z.B. Facebook, usw.) auch unsicher im Hinblick auf unsere Daten sind ABER es gibt auch Leute, die bewusst solche Plattformen nicht nutzen wollen und deswegen auch Probleme mit Zoom haben
  • Deswegen ist es sehr kritisch, dass es keine Alternativen gibt, denn dadurch wird keine Inklusion sichergestellt
    -> wieso sollten Studierenden darunter leiden, dass die Hochschule keine besseren Alternativen entwickelt bzw. zur Verfügung stellt?!

Eine andere Zukunft ist möglich

Mit einem Input aus einem Vortrag, den ich Ende November bei der Jahrestagung von HD@DHN.NRW gehalten habe, wollte ich aufzeigen, wie ein anderes Denken über die Zukunft möglich ist. Dazu habe ich das Konzept der sozialen Imaginationen eingeführt, womit die kollektiven Vorstellungen gemeint sind, wie bestimmte Dinge “funktionieren” (z.B. Hochschule). Diese Imaginationen sind prägend für das Denken und Handeln und werden aktuell vor allem geprägt durch ökonomisches Denken (“die unternehmerische Hochschule”) oder durch das Narrativ der Disruption, ausgelöst durch die digitale Transformation.

Diesen Vorstellungen stelle ich die Idee der “lernenden Hochschule” gegenüber. Damit beziehe ich mich auf die Thesen aus dem Buch “Learning Innovation”, die beschreiben, wie sich Hochschulen seit einigen Jahren organisatorisch und strukturell verändern und dabei das Lernen in den Mittelpunkt stellen.

Zukunftswerkstatt

Im letzen Teil der Sitzung haben wir die Methode der Zukunftswerkstatt behandelt. Damit sollen Fragen zur unmittelbaren Zukunft der Hochschullehre bearbeitbar gemacht werden. Es geht um Kommunikation, Kreativität und das Überwinden von Denk-Grenzen (gesetzt z.B. durch ökonomisches Vorstellungen).

Die Methode besteht aus drei Phasen, die nacheinander durchlaufen werden:

  1. Kritikphase
  2. Phantasiephase
  3. Realisierungsphase

Begonnen haben wir direkt mit der Kritikphase und dazu Punkte im Padlet gesammelt.

Made with Padlet

Block 2: Theorie

Nach der Beschäftigung mit den Auswirkungen von COVID-19 auf die Hochschulbildung in Form von persönlicher Reflexion und einem Blick in die Corona-Begleitforschung, ging es um theoretische Zugänge zum Phänomen “digitale Bildung”.

Damit sollten folgende Lernziele verfolgt werden.

Vor der wissenschaftlichen Beschäftigung mir Bildung, haben wir das Alltagsverständnis mit Hilfe einer Flinga-Wall dargelegt.

Zur Vermittlung und Sensibilisierung der Besonderheiten des Bildungsbegriffs habe ich auf den Text “Wie wäre es, gebildet zu sein?” von Peter Bieri zurückgegriffen. Folgende Kernaussagen sind aus meiner Sicht wichtig.

Bildung hat unverkennbar viele Facetten, die uns helfen zu verstehen, wo etwas herkommt bzw. wie etwas zu dem geworden ist, was es heute ist. Im Kern geht es um die Kategorien Aufklärung / Orientierung, Selbstbestimmung, Erkenntnis und moralische Sensibilität. Mit diesem Rüstzeug können wir die eigene Zukunft gestalten, was wiederum auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

Eines der großen Zukunftsthemen ist seit einiger Zeit die Digitalisierung. Wie das mit Bildung zusammenhängt wird ebenfalls schon länger kontrovers diskutiert. Aus Sicht der Medienpädagogik finde ich die Position von Michael Kerres wichtig und habe deshalb dazu ein kurzes Video aus dem Jahr 2017 gezeigt, das dann gemeinsam diskutiert wurde.

Digitale Studium

Gestern haben wir den ersten Block “Praxis digitaler Bildung” abgeschlossen und in Gruppenpräsentationen einen Blick auf fünf Studien geworfen, die sich aus unterschiedlicher Perspektive mit den Auswirkungen von Covid-19 auf die Hochschullehre auseinandersetzen:

Zur Präsentation wurden WhatsApp-Chats, Video und PowerPoint eingesetzt. Die Studierenden gingen auf ihre persönliche Situation ein und haben dies mit Befunden aus den Studien verknüpft und dabei Fragen zur weiteren Diskussion aufgeworfen.

Ich habe kurz über den Roundtable, der am Mittwoch vom Hochschulforum Digitalisierung und HIS-HE veranstaltet wurde, um gemeinsam aus dem Corona-Semester zu lernen. Gezeigt habe ich das Miro-Board, das in unserer Gruppe vor dem Hintergrund meiner Studie präsentiert erstellt wurde.

Zum Ende des Seminars haben wir kurz über Möglichkeiten, studentischer Partizipation gebrainstorm und dazu dieses digitale Whiteboard genutzt.

Im nächsten Block geht es um theoretische Zugänge zu digitaler Bildung wozu ich Texte mit Lektürehilfe als Podcast, Videos und Radiobeiträge zur Verfügung stelle.

Auftakt

Heute war die erste Sitzung des Seminars mit 19 Teilnehmer*innen aus den Fachrichtungen Lehramt, Erziehungswissenschaft, Intermedia.

Nach einer Vorstellungsrunde mit einem virtuellen Ball wurden die Themen und Arbeitsweisen des Seminars vorgestellt.

Mit einer Breakout-Session haben wir auf das Studium vor dem Ausbruch der Covid-19 Pandemie geschaut und nach Dinge, die besser (oder schlechter waren) geschaut.

Als positiver wurde der direkte Kontakt zu Dozierenden bewertet, da es in Präsenzzeiten leichter war, den/die Professor*in direkt im Anschluss an die Veranstaltung “abzufangen” und etwas zu fragen. Nun läuft es mit E-Mail-Kommunikation zum Teil zäh mit einer hohen Wartezeit. Auch war es möglich, direkt bei der ersten Sitzung an die Seminartür zu klopfen und noch um Teilnahme zu bitten. Das geht in der digitalen Lehre nicht mehr so leicht.

Das Thema Prüfung war vor Covid-19 unkomplizierter, etwa was die technischen Voraussetzungen betrifft. Nun ist man z.B. bei mündlichen Prüfungen auf gute Internetverbindung angewiesen.

Kommunikation und Soziales hatten insgesamt einen sehr anderen Charakter, so dass man beispielsweise im Anschluss an die Veranstaltung zusammen Kaffee trinken konnte. Nun verlässt man direkt den Zoom-Raum.

Grobplanung für das Seminar

“Praxis und Theorie digitaler Bildung” – so der Titel des Seminars, das ich im Wintersemester 2020/2021 an der Universität zu Köln anbiete.

Meine grundlegenden Ideen und Ziele stelle ich im Folgenden als ein Living Document dar.

Das Seminar findet vor dem Hintergrund der aktuellen Situation und der noch aktuelleren Entwicklungen rein online statt und umfasst drei große Blöcke.

Darüber stehen die Lernziele:

  • Nach Beendigung des Seminars können die Lernenden eine eigene Definition für “digitale Bildung” entwickeln und diese mit Beispielen aus Praxis und Theorie unterfüttern.
  • Nach Beendigung des Seminars sind die Lernenden in der Lage, digitale Bildung aus Sicht von Praxis und Theorie zu bewerten und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Block 1: Praxis digitaler Bildung / das “Corona-Semseter”

Das Sommersemester 2020 war einzigartig und einmalig durch die Radikalität und Absolutheit, mit der digitale Lehre flächendeckend für alle Hochschulen durchgeführt wurde.

Lehrende, Lernende und Mitarbeitende der zentralen Hochschuleinrichtungen waren gleichermaßen betroffen und nur gemeinsam konnte diese Herkulesaufgabe bewältigt werden. Innerhalb kürzester Zeit, mussten u.a. Software-Lizenzen für Video-Konferenzsysteme angeschafft und schnelle Hilfe für die didaktische Umstellung auf digitale Lehre erstellt werden.

Als die technischen und organisatorischen Voraussetzungen zumindest provisorisch erfüllt waren, konnte es mit der Lehre unter den Bedingungen der Pandemie losgehen. Die Erfahrungen waren und sind sehr vielfältig, je nach Konzept, Engagement der Lehrenden und Bereitschaft der Studierenden, sich auf diese ungewohnte Situation einzulassen.

Wir beschäftigen uns im Seminar genau mit diesen Erfahrungen und tauschen uns über die Erlebnisse aus. Im zweiten Schritt werfen wir einen Blick auf die Studien, die zum “Corona-Semester” erstellt wurden (dazu gibt es in Kürze einen Workshop vom Hochschulforum Digitalisierung und HIS-HE) und diskutieren diese gemeinsam. Zum Abschluss des ersten Blocks werden Präsentationen als Lightning-Talks vorgestellt, die darstellen, wie das Studium im Sommersemester erlebt wurde und wie dies vor dem Hintergrund der Studienlage eingeschätzt wird.

Block 2: Theoretische Zugänge digitaler Bildung

Digitale Bildung ist wie zuvor E-Learning ein theoretisch wenig bearbeitetes Feld, hauptsächlich bestimmt die jeweils verfügbare Technologie die didaktischen Konzepte (z.B. Compter-based Training oder in jüngerer Zeit Learning Analytics). Für einen Workshop zu E-Learning und E-Teaching habe ich kürzlich eine englischsprachige Übersicht zur Entwicklung zum Lernen mit Bildungstechnologien geschrieben.

Im Seminar werden wir uns theoretische Ansätze anschauen und damit versuchen, das Phänomen digitale Bildung kritisch zu beleuchten. Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Verankerung von digitalen Technologien in unseren Alltag haben wir es mit kulturellen Transformationsprozessen zu tun. Darum werden auch sozial- und kulturwissenschaftliche Ansätze, wie “Kultur der Digitalität” herangezogen, die sich eignen, die gesellschaftlichen Implikationen der digitalen Technologien in den Blick zu nehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Bildungs- und Medientheorien, mit denen das Individuum und die mit Bildung ausgelösten Transformationen angesprochen sind (siehe diesen Beitrag zum Vergleich von digitaler Transformation und Bildungstransformation). Medientheorien zeigen beispielsweise auf, dass Medien keine neutralen Instrumente sind, sondern ein Eigenleben haben und sich dadurch in Lehr- und Lernprozesse einmischen können.

Block 3: Zukunft der digitalen Hochschulbildung

Bereits vor der COVID-19 Pandemie wurden Hochschulen von digitalen Technologien enorm herausgefordert. Die Logik ist vergleichsweise simpel: Technologien ändern sich so rasant und haben so großen Einfluss auf die Gesellschaft, so dass sich einzelne Bereiche wie die Hochschulen anpassen müssen. Gerne wird dann auch behauptet, dass durch technische Innovationen es die Hochschulen bald nicht mehr geben wird. Zuletzt etwa im Zusammenhang mit den Massive Open Online Courses (MOOCs). Warum noch an die Hochschule gehen, wenn man Abschlüsse auch bei Plattformen machen kann, die in manchen Bereichen (insbesondere IT) stark nachgefragt sind.

Diese Narrative werden wir uns im Seminar anschauen und deren Logiken entschlüsseln. Es soll dann auch um Alternativen für die Hochschule im digitalen Zeitalter gehen, die weniger von der Zerstörung oder Zerschlagung ausgehen, sondern nach Innovationen von innen, also aus der Hochschule heraus, suchen. Die Frage ist dann, wie kann eine Hochschule, die sich nicht nur der digitalen Transformation anpasst gedacht werden.

Arbeitsformen

Im Seminar werden die Themen in kleinen Projekten erarbeitet und sich gegenseitig vorgestellt. Begleitend gibt es Impulse und Material für die Vor- und Nachbereitung.

Podcast / Seminarcast

Das Seminar wird online stattfinden mit synchronen und asynchronen Phasen. Es macht für mich keinen Sinn, in der gemeinsamen Zeit ausschließlich Inhalte zu vermitteln und Rückfragen zu beantworten. Das lagere ich in den Seminarcast aus. In kurzen Episoden (10-15 Minuten) sollen folgende Themen behandelt werden:

  • Covid-19 und die “Zwangsdigitalisierung”
  • E-Learning: Grundlagen
  • E-Learning: Historie
  • E-Learning: Forschung
  • E-Learning: Didaktik und Modelle
  • E-Learning: Diskurse
  • E-Learning: Lerntheorien
  • Medienkompetenz und Digital Literacy
  • Open Education: OER
  • Open Education: MOOCs
  • Digitale Transformation der Hochschulbildung