Wissensbausteine Techno-Faschismus: Eine Brille für die digitale Gegenwart

Zum Start meines Online-Seminars an der FernUniversität in Hagen sammle ich hier Wissensbausteine zum Techno-Faschismus: kurze, frei zugängliche Einführungen in Begriffe, Figuren und Werkzeuge, die helfen, digitale Technologien in der Bildung kritisch zu lesen.

2009 schreibt der Investor Peter Thiel: „I no longer believe that freedom and democracy are compatible.“ 2021 hält JD Vance, heute Vizepräsident der USA, eine Rede mit dem Titel „The Universities Are the Enemy“. Und im Januar 2025 zeigt Elon Musk bei der Feier zur Amtseinführung von Donald Trump eine Geste, die viele als faschistisches Symbol deuten.

Was verbindet diese drei Momentaufnahmen? Mit dieser Frage beginnt am 6. November mein Online-Seminar „Techno-Faschismus und Bildung: Wie digitale Technologien die Demokratie aushöhlen“ an der FernUniversität in Hagen.

Warum Wissensbausteine?

Als ich das Seminar im Sommersemester 2026 zum ersten Mal angeboten habe, wurde schnell klar, dass die Teilnehmenden sehr unterschiedliches Vorwissen mitbringen. Manche haben die Entwicklungen im Silicon Valley seit einiger Zeit verfolgt, andere begegnen Namen wie Curtis Yarvin oder Begriffen wie „Dunkle Aufklärung“ zum ersten Mal. Mit den Wissensbausteine soll ein einheitliches Vorwissen für das Seminar geschaffen werden.

Jeder Baustein ist ein kurzer Beitrag, den man in wenigen Minuten lesen kann. Er erklärt einen Begriff, eine Figur oder ein Werkzeug, zeigt den Bezug zur Bildung und nennt einschlägige Texte zum Weiterlesen, Primär- wie Sekundärliteratur. Manche Bausteine enthalten ein interaktives Element zum Erkunden.

Eine Brille, keine Gesetzmäßigkeit

Die Wissensbausteine sollen sichtbar machen, welche Ideen in digitalen Technologien und Bildungsinfrastrukturen stecken. Nichts davon setzt sich zwangsläufig durch, es gibt kein Naturgesetz. Es geht nicht darum, jedes digitale Werkzeug als techno-faschistisch zu kennzeichnen, sondern um eine möglichst differenzierte Analyse. Gerade weil die Entwicklung offen ist, lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Was hier entsteht

Die Bausteine ordnen sich in sechs Bereiche:

  • Einstieg: Was ist Techno-Faschismus, und darf man überhaupt von Faschismus sprechen?
  • Werkzeuge: das ideologische Dreieck, drei Prüffragen und der Bildungs-Stack
  • Figuren: Peter Thiel, Elon Musk, Curtis Yarvin und andere
  • Denkfiguren: Cyberlibertarismus, Dunkle Aufklärung, Datenkolonialismus
  • Spuren in der Bildung: Lernplattformen, Learning Analytics, Abhängigkeiten von wenigen Anbietern
  • Gegenbewegungen: von kleinen Schritten im Arbeitsalltag über technische Alternativen bis zu bildungspolitischen Forderungen

Die Sammlung ist nicht vollständig und wächst mit dem Seminar. Den Anfang macht ein Werkzeug, mit dem wir im Seminar arbeiten werden: Das ideologische Dreieck.

Zum Einlesen

Als Grundlagenliteratur behandeln wir im Seminar Auszüge aus diesen beiden Texten:

Für einen ersten Überblick empfehle ich den Beitrag von Wyn Brodersen (2026) zur Neoreaktion im Dossier Rechtsextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/581811/die-neoreaktion/

Eine Frage zum Mitnehmen

Welches digitale Werkzeug mussten Sie zuletzt in Beruf oder Studium nutzen, und mit welchem Argument wurde es eingeführt?

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